Lorbeer - Laurus nobilis

Lorbeer - Laurus nobilis
Das Suppenblatt mit Heilwirkung

Hält man ein Lorbeerblatt gegen das Licht, sieht man transparente Pünktchen; als hätte Mutter Natur das Blattwerk mit einer Nähnadel bearbeitet. Tatsächlich handelt es sich um Drüsen, die das für den Lorbeerbaum typische ätherische Öl enthalten, das wiederum aus naturheilkundlicher Sicht von Bedeutung ist.

Botanik 

Der bis zu 15 m hohe Lorbeerbaum (Laurus nobilis) gehört zur Familie der Lorbeergewächse (Lauraceae) und kann über 100 Jahre alt werden. Der immergrüne Strauch oder Baum hat ledrige, dunkelgrüne Blätter mit kleinen gelben Blüten und glänzenden schwarzen Früchten, aus denen Lorbeeröl gewonnen wird, eine butterartige, grünliche Masse, die schon bei circa 30 °C schmilzt.

Die Herkunft des Lorbeers ist wahrscheinlich Kleinasien; heute wächst er im ganzen Mittelmeergebiet und wird vor allem in der Türkei wirtschaftlich genutzt. Wegen fehlender Frosthärte kann der Lorbeerbaum weiter nördlich nur als Kübelpflanze kultiviert werden. Der Baum wächst an vollsonnigen, windgeschützten Plätzen und bevorzugt gut durchlässigen und humusreichen Boden, gedeiht aber auch im Schatten. Die Ernte der circa 8 bis 10 Zentimeter langen Blätter kann ganzjährig geschehen.

Inhaltsstoffe, Geruch und Geschmack 

Je nach Jahreszeit schwankt der Gehalt an ätherischem Öl zwischen 0,8 % bis 4%. Im Herbst erreicht er Werte um 10%. Hauptkomponenten sind das frisch und kampferartig riechende 1,8-Cineol, das auch Hauptbestandteil von Eukalyptusöl ist, wie auch Terpineol, α-und β-Pinen und Citral. Weiterhin sind Alkaloide, Flavonoide (z. B. das antioxidativ wirkende Rutin), Gerbstoffe (Catechine), Lignanglykoside und Phenylacrylsäure (Zimtsäure) enthalten.

Der Geruch der frischen Blätter ist nach dem Zerreiben süßlich, balsamisch und leicht pikant. Frische Blätter schmecken aromatisch und leicht bitter, getrocknete Blätter herb-würzig.

Kulturgeschichte

Der Lorbeerkranz war früher ein Schmuck für Helden und Gelehrte. Die römischen Feldherren wurden nach einer gewonnenen Schlacht mit einem Lorbeerkranz geschmückt; Staatsmänner, Dichter, Sänger und Olympioniken trugen Kränze aus Lorbeerzweigen. Diese Tradition hat sich z. T. bis heute bei den Sportlern erhalten; sie werden mit einem silbernen Lorbeerblatt geehrt.

Die Römer verwendeten Lorbeerblätter medizinisch, als Gewürz und in Girlanden während der Saturnalien-Feiern im Dezember.

Lorbeer war den Göttern Apoll und Äskulap geweiht, den beiden Schutzpatronen der Heilkunst.

Küche 

Lorbeerblätter sind ein beliebtes Gewürz in allen westlichen Ländern. Man verwendet es für Suppen, Eintöpfe, Eingelegtes, Kräuteressig und auch Würste; es wird besonders zu Fisch empfohlen. Im Unterschied zu vielen anderen Blattgewürzen kann man Lorbeerblätter ohne weiteres eine Zeitlang mitkochen lassen.

Medizinische Anwendung

Lorbeer wird sowohl innerlich wie auch äußerlich verwendet.

Aufgrund des aromatischen Geschmacks der Lorbeerblätter ist eine appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung anzunehmen. Bei Störungen des oberen Verdauungstrakts beruhigt er den Magen und fördert den Appetit. Dazu wird eine tägliche Tasse Aufguss im Verhältnis 1:100 empfohlen.

Äußerlich angewandt eignen sich Präparate auf Lorbeer-Basis zur Behandlung von Stauchungen und rheumatischen Beschwerden, z. B. bei arthritischen Schmerzen. Dafür werden die Blätter im Verhältnis 20:100 in Weizenkeim- oder Olivenöl eine Woche lang angesetzt. Um Gliederschmerzen zu lindern, kann die belebende Wirkung der Lorbeerblätter auch als Badezusatz genutzt werden, hierzu eine Handvoll frischer oder getrockneter Blätter ins Badewasser geben.

In der Volksmedizin der Heimatländer der Pflanze werden Aufgüsse aus Lorbeerblättern auch als Karminativum, Expektorans, Diuretikum, Antispasmodikum, Emmenagoum und schweißtreibendes Mittel eingesetzt (Boulous L: Med. Plants of North Africa, Ref. Publ, 1983).

Weitere Wirkungsbereiche

Extrakte aus den Blättern senkten bei Tieren mit experimentell induziertem Diabetes den Blutglukosespiegel (Ashajeva L.A. et al., Farmacija (Moskawa) 33(2):49-51 (1984)).

Wässrige Extrakte aus den Samen und ihr fettes Öl schützten Ratten vor Magengeschwüren (Affi F.U. et al., J. Ethnopharmacol. 58(1): 9-14 (1997)).

Das ätherische Öl besitzt eine moderate antimikrobielle und antioxidative Wirkung (Baratte Z.M. et al., J. Ess. Oil Res. 10: 618-627 (1998); Soliman F.M. et al., Bull. Fac. Pharm. 32: 387-389 (1996)).

Anwendungsbeschränkung / Toxikologie

Bei Anwendung der als Gewürz üblichen Dosen besteht nach bisherigen Erkenntnissen keine akute oder chronische Toxizität.

Aufgrund der Inhaltsstoffe besitzt die Droge eine mittelstarke Sensibilisierungstendenz.

Das isolierte ätherische Öl aus Lorbeer darf nicht innerlich angewendet werden. Da die äußerliche Anwendung allergische Reaktionen hervorrufen kann, sollte das Öl nur sehr verdünnt (2 %) verrieben werden. Personen, die auf Korbblütler allergisch reagieren, sollten auch den Kontakt mit Lorbeerblättern und daraus hergestellten Speisen meiden.

Fazit

Mit der präventiven Verwendung von Lorbeer in guter Qualität in der Küche, aber auch mit der innerlichen und äußerlichen Behandlung dieser uralten und fast vergessenen Heilpflanze können Lorbeerblätter einen weiteren Baustein bei der Behandlung von Verdauungsbeschwerden oder der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen bilden.

Literaturquellen
Chevallier Andrew; Das große Lexikon der Heilpflanzen, Dorling Kindersley Ltd. London, 2001
Lange-Ernst Maria-E., Ernst Sebastian; Lexikon der Heilpflanzen, Honos, 1997
Katzer Gernot; www.uni-graz.at/~katzer/germ/Laur_nob.html
Pahlow Mannfried; Gesunde Gewürze, Hirzel Verlag, Stuttgart, 2011
Teuscher Eberhard; Gewürzdrogen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, 2003
http://www.gewuerzlexikon.de/lorbeer.html

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